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Kommentare: 1
  • #1

    Mimo (Donnerstag, 18 Oktober 2018 13:01)

    Vielen Dank für die Zusendung des Zweigheftes Nr. 19. Sowohl das Editorial, als auch Stefan Zweigs Briefe an seinen Freund Andreas Latzko las ich mit Erstaunen. Wenn man heute die Medien liest, habe ich verstärkt so ein unterschwelliges, ungutes Gefühl ob der Stimmungen, die unsere Gegenwart unruhiger machen - so wie Stefan Zweig es in seinen Briefen benennt. Zwar sehe ich keine unmittelbare Bedrohung, oder gar Kriegsgefahr...., das war sicher in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts anders, aber dennoch spüre.., lese ich eine Aktualität, die ich lieber nicht hätte. Die Analyse und der Lebensdruck, ja die Bedrohung der damaligen Zeit sind deutlich und in unserer Zeit scheint sich etwas anzubahnen, das den langen europäischen Frieden und die Lebenssituation auf dem Planeten zu verändern scheint, oder sogar schon verändert und unsicher macht, vor allem verroht und den Umgang miteinander rau macht...
    Ich bin nach dem zweiten Weltkrieg (1947) geboren, hatte eine schöne Lebenszeit in politisch ruhiger Zeit (in Europa)..., hier scheint sich ein Schatten darüber zu legen.
    Ich habe zu dieser Empfindung ein Gedicht geschrieben:

    Asche

    Als ich unterwegs ging sah ich
    Verbrannte Erde längs des Wegs
    Es blendete der karge Boden
    Meine Augen brannten

    Schmerzen tief innen
    Tränen liefen als ich sah und begriff
    Die Luft war heiß und kaum zu atmen
    Etwas drang in mich

    Auf dieser Reise spürte ich Fremde
    Menschen die sprachen, innerlich
    Ihre Augen sahen nicht mehr
    Ihre Münder sprachen nicht mehr

    Ihr Gang wankte nicht im Leeren
    Still, ungestillt, gingen sie, Ziellos
    Ich spürte kalte Ausdruckslosigkeit
    Einsamkeit umgab mich grenzenlos

    Als ich die Kinder sah auf dem Weg
    Wusste ich nicht, mit wem sie liefen
    Ihr Ziel war der Raum der großen Weite vor ihnen
    Ihr Aufenthaltsort hier und jetzt

    Die Luft um sie brannte auch meine Haut
    Was sie bei sich hatten war Asche
    Ihren Taschen trugen, was ihnen blieb
    In ihren Seelen brannte Asche aller Hoffnungen

    Als ich unterwegs den Wind spürte
    Prallten Partikel an mich, es schmerzte
    Während ich es in meiner Hand sammelte
    Hielt ich ihre Asche und weinte in dieser Begegnung

    Unter dem Eindruck der medialen Berichterstattung über IS, arabische Krisenherde, und des Nahen Ostens. Es gemahnt uns, wachsam zu sein, nicht aufzuhören die Bildung zu stärken und weiterhin am Frieden zu arbeiten. Die Texte im Heft 19 sind ein Teil dazu.