münchner heldentheater - theater für münchen!


Armut?

Gibt es heutzutage überhaupt noch Armut? Schnell wird man denken, dies sei ein Problem der Entwicklungsländer. Das ist sicherlich wahr und man darf dabei nicht vergessen, dass wir zum Beispiel nur deswegen so billige Kleidung kaufen können, weil Menschen in den Entwicklungsländern zu niedrigsten Löhnen diese Kleidung produzieren. Insofern sind wir direkt mit der Armut in anderen Teilen der Erde verbunden. Aber Armut bei uns? Das ist doch scheinbar nicht möglich. Immerhin würde man noch von einer relativen Armut sprechen. Manche Bürger in Deutschland sind im Vergleich mit der wohlhabenderen Mehrheit relativ arm. Bei uns gilt als arm, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittslohns zur Verfügung hat. Armut führt meist zu sozialer Ausgrenzung, die definiert wird als „Ausschluss von gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten: als Marginalisierung am Arbeitsmarkt verbunden mit gesellschaftlicher Isolation oder allgemeiner als Vorgang eines kumulativen Ausschlusses von Personen aus einer Mehrzahl unterschiedlicher, für die Lebensführung relevanter Funktionsbereiche der Gesellschaft“. Dabei hat soziale Ausgrenzung – wie auch Armut – häufig individuelle wie gesellschaftliche Ursachen. Als Ursachen werden genannt:

 

• Mangel an Geld, um Konsumstil der Mittelschichten praktizieren zu können
• Ein polarisierender Arbeitsmarkt, der gering Qualifizierten keine Möglichkeiten mehr bietet und der  Arbeitnehmer nach ethnischer Herkunft, Alter und Geschlecht bewertet
• Selektierende Bildungsinstitutionen
• Die Reduzierung sozialstaatlicher Absicherung
• Zunehmende räumliche Trennung in den Städten

 

In Deutschland liegt 2018 der Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffenen Bevölkerung bei etwa 14 Prozent, das macht insgesamt rund 11,5 Mio. Menschen. Etwa die Hälfte sind Menschen nicht-deutscher Herkunft. Diese erhalten entweder aufgrund von Vorurteilen oder wegen mangelnder Qualifikation keine Arbeit, oder sie erhalten nur einen Minimallohn, oder sie haben überhaupt keine Arbeitserlaubnis. Es gibt darunter offiziell auch etwa 3 Mio. Kinder, laut Kinderschutzbund sind es sogar ca. 4,4 Mio. Kinder. Auch der Anteil der Senioren, denen die Rente nicht mehr zum Leben reicht, steigt immer mehr.

 

Aber was heißt das nun für uns? Vermutlich gehören wir hier im Theater versammelten Menschen nicht zu den von Armut Betroffenen. Vielleicht aber kennt man jemanden oder ganz bestimmt hat man schon jemanden auf der Straße gesehen, der offensichtlich oder versteckt arm ist. Auffällig ist, dass sich Armut über die fast hundert Jahre, die seit ihrer Beschreibung in „Rausch der Verwandlung“ vergangen sind, im Grunde nicht in ihrer Wesenhaftigkeit ändert. Ihre Ursachen und Auswirkungen sind scheinbar immer gleich, überdauern die Zeit. Deswegen ist Zweigs Roman immer noch aktuell, auch wenn andere Beschreibungen darin längst überholt sind.

 

Aber was können wir tun? Der erste Schritt liegt wohl in der Registrierung von Armut, nicht die Augen vor ihr zu verschließen. Und kann man etwas an den Ursachen verändern? Kann man etwas an ihren Auswirkungen mildern? In kleinen Schritten vielleicht schon. In unserem direkten Einflussbereich haben wir Handlungsmöglichkeiten. Sei es zur Wahl zu gehen, sei es ein ehrenamtliches soziales Engagement auszuüben, sei es ein ethisches Konsumverhalten zu zeigen. Welche Möglichkeiten fallen Ihnen ein?

 

„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ Stefan Zweig

 


warum eine dramatisierung von "Rausch der Verwandlung?

Haben wir inzwischen nicht schon genug Romane auf der Bühne? Und schon wieder einen Klassiker? Wir haben uns dazu entschieden, weil Zweigs Protagonisten den Dreck fressen, den ihnen die Gesellschaft hinwirft. Weil sie das lange genug getan haben. Und weil sie schließlich Nein sagen zu dem Zauber. Sie wiedersetzen sich. Sie hören einfach auf, mitspielen zu wollen. Zu lange haben sie sich abgemüht, einen Teil des scheinbar „guten Lebens“ zu ergattern, das die privilegierten Menschen alltäglich zelebrieren. Macht, Erfolg und Reichtum sind ein Spielzeug der Elite. Der ihnen daraus erwachsende Einfluss dient der Zementierung der Verhältnisse. Stefan Zweig wusste das nur zu gut, als er dieses Romanfragment vor bald 100 Jahren schrieb. Hat diese Geschichte etwas mit unserer heutigen Zeit zu tun? Ja, hat sie. Denn solche Geschichten wie die von Christine und Ferdinand kann man auch heute finden. Nicht nur das, es ist vielmehr ein riesiges Phänomen aller modernen Gesellschaften, insbesondere der kapitalistischen. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer mehr, unvorstellbare Reichtümer werden von wenigen Menschen gehortet, die aufgrund ihres Status auch die Weltpolitik bestimmen. Es findet eine ungeheuerliche Bereicherung einer vergleichsweise sehr kleinen Menschengruppe statt. Über diese Umstände werden die Menschen mit dem Heilsversprechen des Konsums hinweggetäuscht und still gemacht.Gebt den Menschen Brot und Spiele, dann gibt es keine Revolte“. Entwurzelte Gesellschaften in den Entwicklungsländern wiederrum sind fast vollständig vom Wohlstand ausgeschlossen, was zu den bekannten Fluchtbewegungen führt, nicht selten motiviert von den westlichen Konsumwelten. Meist aber flüchten diese Menschen aus bitterer Armut. Sie kämpfen in ihrer Heimat um ihr tägliches Überleben. Wir im Westen jedoch können uns fragen, wie wir diese globale Ausbeutungsmaschinerie am Leben erhalten und ob wir denn wirklich so gehorsam nach Erfolg, Macht und Reichtum streben müssen? Nein, müssen wir nicht! Man kann auch Nein sagen zu diesem System, was zu nicht unerheblicher Zufriedenheit führen kann. Man stelle sich vor, der Konsum gehe drastisch zurück und die Menschen steigen massenweise aus der Leistungsmühle aus: Der Raubtierkapitalismus wäre dem Untergang geweiht, das System würde nicht mehr funktionieren, die wenigen Ausbeuter könnten nur mehr panisch versuchen, ihre Schäfchen ins trockene zu bringen. Eine Bereicherung im großen Stil wäre kaum mehr möglich. Ist das naiv? Längst dämmern die großen alternativen Gesellschaftsmodelle herauf, unterstützt von immer mehr Menschen. Es wird nicht der neue Nationalismus und auch keine Rückkehr zum Sozialismus sein. Es wird im Gegenteil eine Überwindung alles bisher Dagewesenen sein, eine Weiterentwicklung der Weltgesellschaft und jedes Einzelnen darin. Wenige Jahre nach der Entstehung dieses Romanfragments starb Stefan Zweig 1942 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin den Freitod, den er in diesem Roman vielleicht schon vorweggenommen hat. Der kritische Sozialutopist war seiner Zeit voraus und sein Denken ist heute noch aktuell.


Theater Heute

Was braucht heutiges Theater, um bedeutend zu sein? Diese Frage beschäftigt uns schon seit langem. Es ist nicht leicht sich in den gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen mit ihren vielfältigen Meinungen so zu verorten, dass man mit seiner Stimme wahrgenommen wird. Ein vielstimmiger Chor prasselt ständig auf die Menschen unserer Zeit ein und man ist geneigt sich wegzuducken, um nicht von dieser Flut an Eindrücken weggespült zu werden. Man muss also auswählen. Aber was wählt man am besten? Eher die Ablenkung von den Schwierigkeiten unserer Welt oder doch die Verantwortung für die Verbesserung der Zustände? Wir täuschen uns in unserer Größe, wenn wir meinen, wir können angesichts des Elends in der Welt nur die Augen schließen, um nicht selbst unter zu gehen. Wir sind groß genug, um Stand zu halten. Vergegenwärtigen wir uns also das, was um uns herum geschieht. Und lassen wir uns davon bewegen. Vielleicht erwächst daraus eine Tat. Und hier kommt nun die Frage nach dem bedeutenden Theater unserer Zeit ins Spiel. Kann es denn wirklich das Theater sein, das sich oberflächlich verhält? Der Schauspieler Fabian Hinrichs hat dazu in einem beachtenswerten Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 22.Mai 2018 von den "flachen Wahrheiten des politischen Theaters" gesprochen, das uns überwiegend angeboten wird, dessen Botschaften wir ohne Umschweife zustimmen können, uns dann auf der richtigen Seite fühlen, und meint: "Wirklich politisch im Theater ist Poesie, das Sprechen in einer anderen Sprache. Das ist inzwischen geradzu radikal." Dieser Aussage möchten wir uns anschließen. Und Poesie verleugnet nicht die Wirklichkeit und macht sie auch nicht klein. Sie zeigt sie auf in ihrer Vielschichtigkeit, in ihrer Schönheit, manchmal in ihrer Grausamkeit. Daraus kann etwas Neues entstehen, wenn wir den Mut dazu aufbringen uns bewegen zu lassen.


Proben zu Rausch der Verwandlung

Wir stecken mitten in den Proben für "Rausch der Verwandlung" von Stefan Zweig. Im Herbst werden wir diesen Roman auf die Bühne bringen. Das Schicksal der jungen Christine und des maroden Ferdinand bewegt uns sehr. Es scheint, als hätte Stefan Zweig hier in diesen beiden Figuren sein innerstes Leid offenbart, das ihn bald selbst in den Freitog trieb. Er litt an dieser Welt und wusste keine Gegenmittel. Uns geht es so, dass wir mit diesen beiden Figuren viel Mitgefühl haben. Wir kann man in einem Menschenleben nur so viel Leid erfahren? Und eben das wollen wir auch beim Publikum auslösen: Mitgefühl für die Figuren auf der Bühne. Es ist das höchste, was sich Menschen untereinander geben können. Mitmenschlichkeit, allumfassende Nächstenliebe. Klingt das in der heutigen Zeit nicht sehr altbacken oder gar provokant? Und doch ist vermutlich dieser Altruismus der Weg aus der globalen Krise der Menschen, wie auch Matthieu Ricard in seinem wunderbaren Buch "Allumfassende Nächstenliebe" darlegt. Und auch den beiden Protagonisten aus Zweigs Roman wünscht man sich einen Ausweg aus ihrer scheinbar hoffnungslosen Lage. Man denkt sich, das kann doch für die beiden nicht alles im Leben gewesen sein! Wo ist hier die Gerechtigkeit, wo das Gute? Und tatsächlich machen sich die beiden auf, ihrem Leben eine rettende Wendung zu geben. Welchen Weg sehen Sie für die beiden?


manifest

für die außenseiter, die entrechteten, die benachteiligten und die ausgestoßenen. kein dulden dieses phänomens des menschlichen zusammenlebens. der mensch kann sowohl im großen als auch im kleinen grausam sein, wenn er vor allem an seinen eigenen vorteil denkt. vor unseren augen. nicht nur in kriegsgebieten. nicht nur in fernen ländern. nicht nur unter unrechtsregimen. vergessen wir diese menschen an den Rändern nicht. stellvertretend für ihre geschichten zeigen wir theaterstoffe, die ähnliche themen aufgreifen. damit holen wir sie wieder herein, geben ihnen eine stimme, arbeiten gegen das verdrängen. gegen die vormacht der kommerziellen mehrheit, die sich selbstvergessen ihrem egorausch hingibt. dem eine tiefe humanität entgegensetzen und das wissen um die bedeutung eines allumfassenden altruismus.


Über Uns

wir machen theater für münchen mit herz und verstand. mit mut und leidenschaft eröffnen wir kunsträume in einer zunehmend sterilisierten stadt. besuchen sie unsere vorstellungen und sehen sie, wie wir die welt in das theater und aus dem theater packen. jeder theaterabend ein erlebnis. sie werden unsere produktionen nicht vergessen. überzeugen sie sich selbst. wir sind helden. in diesem theater. unser leben. der heldenplatz vor den toren. das heldenbankett ist angerichtet. kommen sie und  staunen sie. kommen sie herein. treten sie näher. denken sie nach. fühlen sie mit. das leben ist zu kurz um zuhause zu bleiben. sie müssen uns sehen. ergreifen sie die gelegenheit. echtes theater. echte menschen. live.